Zur dritten Dimension der Intelligenz

Über den Wert von Bewegung, Handwerk und Kunst in der Persönlichkeitsentwicklung

In traditionellen Schulystemen werden Kinder oft zu angepassten Kindern gemacht. Uniformität, vor allem auch im Zusammenhang mit dem zunehmenden Trend, Kinder um jeden Preis in Richtung Hochschule auf «Kopflastigkeit» zu trimmen, ist problematisch. Problematisch deshalb, weil Lernen gerade für Kinder keine theoretische Erfahrung, sondern immer auch etwas «Handfestes» haben muss.

Nicht zufällig beinhaltet die Aussage «etwas begreifen» eine Aktion in der 3. Dimension. Insofern ist handwerkliches Tun und Erfahrung im dreidimensionalem Raum elementar – gerade auch in Klassenräumen. Dabei sind gerade Erfahrungen mit Werkstoffen und mechanisches Verständnis im 3. dimensionalen Raum für Problemlösestrategien, Kreativität und somit auch für die Persönlichkeitsentwicklung von grösstem Wert.

Mit Beschau auf die entwicklungspsychologisch unumstrittenen Realitäten, dass sich das Gehirn bzw. die Hirnstrukturen unter dem Einfluss von Östrogen und Testosteron, zwischen dem zwölften und fünfundzwanzigsten Lebensjahr noch einmal zu mehr als 50% neu organisieren, sind sich wiederholende Erfahrungen im dreidimensionalen Raum und selbstredend auch die Überwindung von Widerständen und Selbsterfahrungsaspekte im Sinne eines «Lernens aus Fehlern» für eine umfassende und vielschichtige Persönlichkeitsbildung unerlässlich.

Aus psychiatrischer Perspektive erleben wir, vor allem im Zusammenhang mit depressivem Kranksein und der damit verbundenen Aufarbeitung der Lebensgeschichte, dass Patienten allzu häufig zu früh «uniformiert» werden und von, um es mit einem Fachterminus auszudrücken, strafenden Eltern-Ich-Repräsentanzen zu angepassten Kindern gemacht werden, die oft erst als Erwachsene merken, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse und Talente nur unzureichend entwickeln konnten. Aus diesem Grund ist sowohl im ambulanten als auch stationären Kontext massgeblich Wert auf erfahrungstherapeutische und somit v.a. auch auf nichtsprachliche Therapieverfahren zu setzen und diese Entwicklungsschritte nachzuholen.

Sprache ist ein wichtiges aber begrenztes Therapie-Instrument

Dazu gehören einerseits Bewegungs- und nicht sprachliche Ausdruckstherapien im Sinne von Bewegungs-, Musik- und Kreativtherapien. Dabei geht es nicht darum, wie oft fälschlicherweise kolportiert wird, dass psychisch erkrankte Menschen «ihren Namen tanzen müssen» oder Mandalas ausgemalt oder Körbe geflochten werden, die an Weihnachtsmärkten der Psychiatrischen Klinik als dann feilgeboten werden.

Nein! Es geht dabei um sehr viel mehr. Es geht um die therapeutische Erkenntnis, dass die Sprache ein eingeschränktes therapeutisches Instrument darstellt, welches im Optimalfall von nicht-sprachlichen Therapieverfahren begleitet wird. Gerade für Erwachsene, die als Kinder und Jugendliche trotz Multioptionalität nie einen Rahmen erlebt haben, der ihnen mehr oder weniger zwanglos ermöglichte, eigene Leidenschaften zu entwickeln, ist es im Erwachsenenalter oft notwendig, diese wichtigen Erkenntnisschritte nachzuholen.

Kreativer Freiraum eröffnet verborgene Fähigkeiten

Aus diesem Hintergrund ist den sogenannten «ästhetischen- und nicht-sprachlichen Therapieverfahren» ein Höchstmass an Platz einzuräumen.

Eine der grossen Chancen dieser Verfahren ist, dass die Patienten im wahrsten Sinne des Wortes «zu sich kommen» können. Dies deshalb, weil wir im Rahmen unserer Entwicklung fälschlicherweise lernen, dass allein der «Kopf» oder die geistige Leistungsfähigkeit über Erfolg oder Misserfolg im Leben entscheiden. Diese damit verbundene Leistungsfähigkeit des Geistes und implizite Abkoppelung des Körpers muss zu einer Dysbalance des Individuums führen.

Hier kann mit gut angeleiteten ästhetischen und bewegungstherapeutischen Verfahren, welche in einer Atmosphäre kreativen Freiraums angewendet werden, nicht nur entgegengewirkt, sondern es können tief verborgene Fähigkeiten und Leidenschaften, im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein Schatz gehoben werden.

Das Privileg von therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dasjenige, dass wenn sie eine fundierte Ausbildung genossen haben, auch ein erkleckliches Mass an Selbsterfahrung und Eigentherapie genossen haben müssen. Nicht selten, sind diejenigen Therapeuten, welche in der Geist- und Körperinteraktion auch ihre eigene Kreativität entdeckt haben und diese aktiv pflegen, von unschätzbarem Wert bei der Behandlung psychisch erkrankter Patienten.

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