Wenn sich der Stress nicht mehr abbauen lässt

Hängen Stress und Depressionen zusammen?
Kann Stress ein Auslöser von Depressionen sein?

Aktuellen Studien zufolge leiden mehr als 30% aller Erwerbstätigen unter Zeitdruck und Stressbelastung am Arbeitsplatz. Zum Teil hat das mit arbeitsbedingtem Stress zu tun, zum Teil damit, dass Arbeit durch ständige Verfügbarkeit auch auf den Freizeitbereich übergreift. Auch Mehrfachbelastungen wie der Spagat zwischen Kind und Karriere oder der vielzitierte „Freizeitstress“ tragen dazu bei, dass mehr und mehr Menschen sich unter Dauerstress fühlen. Zugleich nimmt die Anzahl der von Depressionen Betroffenen weiter zu – aktuell geht man von 300 Millionen Erkrankten weltweit aus. Wie hängen Stress und Depressionen zusammen?

Welche Prozesse im Körper bei Stress ablaufen

Bei Stress handelt es sich eigentlich um eine körperliche Schutzreaktion bei einer Bedrohung: In einer Gefahrensituation ermöglichen die Stressreaktionen des Körpers, schnell zu reagieren, indem der Blutdruck steigt, die Muskelspannung und die Leistungsfähigkeit zunehmen. Erreicht wird das, indem der Körper verstärkt Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausschüttet. Lässt der Stress wieder nach, normalisiert sich auch der Hormonhaushalt wieder.

Kurze Stressepisoden können aktivierend und stimulierend wirken – sogenannter „positiver“ oder „Eu-Stress“, der durch eine herausfordernde Situation entsteht, die bewältigt werden kann. Wird Stress allerdings zur Dauerbelastung, kann er nachhaltig schädigend sein für Körper und Geist.

Wie sich Stress und Depressionen in den Symptomen ähneln

Stress und Depressionen ähneln einander in den Symptomen, in beiden Fällen kommt es zu ähnlichen körperlichen Vorgängen durch erhöhte Stresshormon-Ausschüttungen. Zu den Anzeichen für chronischen und schädigenden Stress gehören:

  • Schlafprobleme
  • Verdauungsprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Angstzustände
  • Antriebsschwäche
  • gedrückte Stimmung, anhaltende Traurigkeit

Die Vielzahl der möglichen Symptome macht es wie bei der Depression nicht einfach, die Ursache klar zu erkennen.

Kann Stress Depressionen auslösen?

Stress kann die Entstehung von Depressionen begünstigen. Ob eine erhöhte Stressbelastung zu Depressionen führt, hängt aber auch von genetischen Prädispositionen, frühkindlichen Prägungen und bisherigen Erkrankungen ab. Entscheidend ist dabei, wie Sie mit dem Stress umgehen: Welche Stressbewältigungsmechanismen haben Sie? Wenn Sie dazu tendieren, sich zu überschätzen, sich zu viel aufbürden, sich keine Ruhephasen gönnen und so die „Stressspirale“ befördern, ist es eine Frage der Zeit, bis der Stress gesundheitliche Folgen hat.

Wie lassen sich Stress und Depressionen gezielt behandeln?

Normaler Stress bzw. kurze Stressphasen lassen sich durch Entspannung und körperliche Betätigung überwinden. Wenn allerdings eine stressbedingte Depression auftritt, sind Therapie und Medikamente für eine Genesung notwendig. Gezielter Stressabbau und ein bewusster Umgang mit Stress kann zur Bewältigung von Stressphasen entscheidend beitragen, dazu gehören etwa:

  • Einen ausgeglichenen Tagesablauf mit Ruhepausen und einer klaren Abgrenzung der Arbeitszeiten erlangen.
  • Auch einmal „nein“ sagen zu Verpflichtungen und Aufgaben und sich bewusst Zeit für sich zu nehmen.
  • Stress nicht nur abbauen, sondern ihm auch vorbauen durch bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen und Grenzen.

Ob eine ambulante Behandlung durch einen Therapeuten und die Einnahme von Antidepressiva ausreichend ist oder eine stationäre Aufnahme in einer Klinik notwendig wird, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Bei einer stationären Aufnahme im Clinicum Alpinum erstellen wir ein individualisiertes Behandlungsangebot. Erfahren Sie mehr darüber, welche Therapien und Zugänge unser Behandlungsangebot für Depressionen umfasst und warum Schlaf eine zentrale Behandlungssäule ist.

Dr. med. Marc Risch

Zum Autor
Dr. med. Marc Risch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er studierte Humanmedizin in Zürich und Innsbruck und schloss sein Studium in Innsbruck mit einem Doktorat ab. In den weiteren Jahren absolvierte er vertiefende Ausbildungen unter anderen in den Bereichen Krisenintervention, wo er zusammen mit seiner Frau als Ausbildner für das Rote Kreuz tätig war. Seit 2012 führt der Psychiater seine eigene Praxis in Schaan und arbeitet als Chefarzt im Clinicum Alpinum.

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