Gesundheitsfalle Startup

Die eigene Geschäftsidee umsetzen. Die Unternehmenskultur so prägen wie man es will. Alles besser machen als die anderen. Ein besserer Chef, eine bessere Chefin sein. Die Abläufe besser organisieren und überhaupt viel erfolgreicher sein als die anderen. Selbstständigkeit! Ein lang gehegter Wunsch, die Vorstellung der idealen Arbeitssituation und eine unterschätzte Gesundheitsfalle?

Selbst und ständig: Die zwei wesentlichen Wirk- und Erfolgsfaktoren, die bei der Business-Planung oft zu wenig berücksichtigt werden. Selbstverständlich gibt es nichts Schöneres, als seinen Traum zu verwirklichen. Selten genug gibt es die Gelegenheit, ein Unternehmen so in den Details zu entwickeln und zu prägen wie das Eigene. Doch wo liegt die Grenze? Ist es sinnvoll, dass der Chef alle Bereiche allein konzeptioniert, organisiert, verwaltet, betreut, plant und überwacht? Ist es nicht so, dass Gründer in den meisten Fällen Herrschaftswissen bündeln, keine Stellvertreter benennen und das Unternehmen genau auf diese eine Person zugeschnitten ist? In solchen Unternehmen laufen alle wichtigen Entscheidungen über den Gründer. Sein Ausfall wäre verheerend. Und: Seine nicht-erkannten blinden Flecken (Schwächen) sind von Anbeginn an eine verdrängte Hypothek.

Oftmals brüsten sich Unternehmer, mit wie wenig Schlaf sie auskommen, wie jeder noch früher aufsteht, wohin die nächste Geschäftsreise geht und dass Emails auch mitten in der Nacht bearbeitet werden. In Krankheitsfällen versucht man anfangs die Fassade zu wahren, Unsicherheiten zu überspielen oder gegen ärztlichen Rat in haudegenhafter Manier aus stationären Behandlungen auszutreten und weiterhin einen zweifelhaften Präsentismus zu betreiben. Vielen Unternehmensgründern fällt es bereits bei einer Erkältung oder Grippe schwer, alle Fünfe gerade sein zu lassen – Ohne Chef läuft eben nichts. Auch die Kundenpflege ist gerade bei kleineren Unternehmen Chefsache. Obwohl Mitarbeiter mit Potential aktivierbar wären, passiert dies noch zu wenig.

Michaela Risch

Klar, ist der Chef oder die Chefin abwesend, muss das Unternehmen trotzdem weiterlaufen. Unternehmer sollten deshalb einen Stellvertreter nicht nur auf dem Papier bestimmen, sondern die Verantwortung teilen. Denn: Bricht eine Säule weg, stützt das Team das Unternehmen. Die Selbstständigkeit der Mitarbeitenden kann durch Vertrauen gefördert werden, dann läuft es auch ohne Kontrollen rund. Planung und Dokumentation helfen, die Abläufe korrekt und reibungslos zu gestalten. Da braucht es in erster Linie Führung, statt «Selbst-Machen». Ein kooperatives, wertschätzendes Klima im Team ist ein Grundpfeiler, um beispielsweise krankheitsbedingt geschwächte Führung auszugleichen. Mit einer positiven Fehlerkultur können Mitarbeitende eher akzeptieren, wenn der Chef nicht hundertprozentig einsatzfähig ist.

Auch wenn man es nicht gerne hört – Niemand ist unersetzlich, auch nicht der Chef. In neu gegründeten Unternehmen gestaltet sich die Organisation einer Stellvertreterfunktion oftmals schwierig. Aber gerade in den Anfängen einer Unternehmung können kleine Erschütterungen wie die Abwesenheit des Gründers zum Scheitern führen, wenn keine Stellvertretung organisiert ist. Voraussetzung für Sicherheit im Handeln und effektive Einflussnahme ist das uneingeschränkte Vertrauen in die Stellvertretung und das Team. Grundsatzdiskussionen werden damit im vornhinein ausgeschlossen. Denn eines darf man nicht vergessen bzw. wird oftmals auch von Gründern falsch eingeschätzt – die Vertretung hält lediglich den Kurs, einen Kurswechsel veranlasst allein der oder die Haupt-Verantwortliche.

Nichts desto trotz, was gibt es schöneres als sein eigener Chef zu sein, und zuzuschauen wie die eigene Idee wächst und gedeiht und durch klug gewählte Stellvertreter und ein motiviertes Team gemeinsam geschultert wird.

Text: Von Michaela Risch
Verwaltungsratspräsidentin Clinicum Alpinum AG

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