Depression: eine Krankheit kämpft mit vielen Irrtümer

Die Depression ist eine «unsichtbare» Krankheit, die weder durch Blutwerte noch mit Röntgenbildern diagnostiziert werden kann. Die Erkrankung äussert sich vielmehr in mannigfaltigen Symptomen wie Schlaflosigkeit, gedrückter Stimmung, Hoffnungslosigkeit, sozialem Rückzug, sowie zahlreichen weiteren Krankheitszeichen. Für Nichtbetroffene ist eine Depression somit nur schwer greifbar und nachvollziehbar. Obschon die Akzeptanz mittlerweile gestiegen ist, kämpfen Betroffene immer noch mit zahlreichen Vorurteilen, wenn sie von ihrer Krankheit erzählen.

Die häufigsten Vorurteile der Depression

Fast keine Krankheit kämpft mit so vielen Vorurteilen wie die Depression. Wir haben die wichtigsten aufgeführt:
Die Depression ist gar keine Krankheit: Eine Depression ist weit mehr als ein vorübergehendes Stimmungstief. Depressive Menschen können sich auch nicht «zusammenreissen» oder «sich nicht hängen lassen». Denn die Erkrankung mit ihren Symptomen beeinträchtig für die Betroffenen die Bewältigung des Alltags, sodass die gut gemeinten Ratschläge wie «Kopf hoch» oder «Das wird schon wieder» nicht hilfreich sind.

Nur schwache Menschen sind betroffen: Die Annahme, dass nur schwache und psychisch labile Menschen von einer Depression betroffen sind, ist weitverbreitet. Doch Dr. med. Marc Risch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie widerspricht dem: «Eine Depression kann jeden treffen und zwar zu jeder Zeit. Erfolgreiche, aktive, selbstbewusste oder optimistische Menschen sind nicht davor gefeit.» Dies verdeutlicht der Psychiater auch in diesem Interview.

Die Depression tritt immer wieder auf: Viele Menschen sind der Überzeugung, dass die Depression nicht nachhaltig heilbar ist. Dies stimmt so aber nicht! Eine Depression ist behandelbar. In über zwei Dritteln der Fälle gelingt die Genesung von einer De-pression sogar sehr gut. Dabei ist es wichtig, die Zeit bis zum Klinikeintritt möglichst kurz zu halten und die Therapie genauestens – und bereits bei der Vorbehandlung – auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen anzupassen.

Antidepressiva machen abhängig: Dieses Vorurteil ist weitverbreitet, stimmt je-doch absolut nicht. Dr. med. Marc Risch klärt auf: «Antidepressiva machen, im Ver-gleich zu einigen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln, nicht abhängig. Sie wirken gezielt gegen Funktionsabläufe im Gehirn, die bei der Depression gestört sind.» Antidepressiva wirken jedoch nicht sofort nach der Einnahme. Die Betroffenen merken erst nach 2- 4 Wochen eine Verbesserung. Daher sind diese Medikamente auch nicht für den kurzfristigen Einsatz, sondern meist für die Einnahme während mehreren Monaten gedacht.

Antidepressiva beeinflussen die Persönlichkeit: Nicht die Antidepressiva, sondern die Depression selbst verändert die Wahrnehmung, das Erleben sowie das Ver-halten der Betroffenen.

Stigmatisierung erschwert Zugang zu medizinischer Versorgung

Weltweit sind mehr als 300 Millionen Menschen von einer Depression betroffen, wie Dr. med. Marc Risch, in diesem Interview berichtet. Obwohl diese Tendenz steigend ist, existieren zahlreiche Vorurteile und grosses Unwissen über diese Erkrankung. Diese weitverbreitete Stigmatisierung hindert viele Betroffene daran, sich rechtzeitig professionelle und medizinische Unterstützung zu holen. Oft berichten depressive Patienten, sie hätten das Gefühl, dass ihre Krankheit etwas Peinliches, Unangebrachtes sei und dass das Umfeld sie als Versager oder Simulant sehe. Sie ziehen sich zurück und schränken ihre Aktivitäten ein. Dies wiederum verringert ihren Selbstwert und nimmt ihnen die Zuversicht, die Krankheit erfolgreich behandeln zu können.
Warten Menschen mit einer Depression zu lange, um sich professionelle Hilfe zu holen, kann sich eine Chronizität der depressiven Erkrankung entwickeln.

Ein besseres Krankheitsverständnis ist für alle lebensrettend

Nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für die Angehörigen, das Umfeld und die Öffentlichkeit ist es essentiell richtig über die Symptome, den Krankheitsverlauf und die Be-handlung der Depression aufgeklärt zu werden. Dies hilft nicht nur den betroffenen Patienten ihre Erkrankung besser zu bewältigen, sondern bewahrt gleichzeitig das Umfeld davor, Fehler im Umgang mit den Erkrankten zu machen. Vorurteile und Ängste können abgebaut werden. Zudem belegen zahlreiche Studien, dass eine angemessene Aufklärung bestehende Vorbe-halte gegen Behandlungsmassnahmen wie z.B. den Einsatz von Psychopharmaka abbaut und Therapieabbrüche verhindert werden.

Zum Autor
Dr. med. Marc Risch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er studierte Humanmedizin in Zürich und Innsbruck und schloss sein Studium in Innsbruck mit einem Doktorat ab. In den weiteren Jahren absolvierte er vertiefende Ausbildungen unter anderen in den Bereichen Krisenintervention, wo er zusammen mit seiner Frau als Ausbildner für das Rote Kreuz tätig war. Seit 2012 führt der Psychiater seine eigene Praxis in Schaan und arbeitet als Chefarzt im Clinicum Alpinum.

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